Mein Name ist Christine Walley, ich besitze den Ehrentitel Dean’s Distinguished Professor of Anthropology und bin Leiterin der Fakultät für Anthropologie der Schule für Kunst und Sozialwissenschaften am Massachusetts Institute of Technology in den USA. Ich bin in der ehemaligen Stahlwerk-Region Southeast Chicago aufgewachsen und habe in den letzten zwanzig Jahren dort geforscht. Im Verlauf meiner Forschungsarbeiten habe ich ein autoethnografisches Buch, Exit Zero: Family and Class in Post-Industrial Chicago (2013) publiziert und ein Dokumentarfilm Exit Zero: An Industrial Family Story (2016) mit dem Filmemacher Chris Boebel produziert (https://exitzeroproject.org/). Ich bin zudem Leiterin eines community-basierten Projekts über Deindustrialisierung namens Southeast Chicago Archive and Storytelling Project (SECASP) (www.sechicagohistory.org).

Forschungserklärung

Zurzeit arbeite ich an zwei Projekten. Als Leiterin des Southeast Chicago Archive and Storytelling Project arbeite ich weiterhin mit dem Southeast Chicago Historical Museum zusammen, das ausschließlich durch Freiwilligenarbeit getragen wird. Die Zusammenarbeit fokussiert sich auf Objekte, die von Bewohner:innen dieser multiethnischen ehemaligen Stahlwerk-Region aufbewahrt wurden. Um die Geschichte dieser Region aus der Perspektive der Arbeiter:innenklasse zu erkunden, interessiert und vor allem, was die Bewohner:innen über diese Objekte erzählen. SECASP umfasst ein digitales Archiv und eine Reihe von vier multimedialen Dokumentarfilmen, die diese gespendeten Objekte näher beleuchten. Die Dokumentarfilme beschäftigen sich mit Themen wie Einwanderung/Migration, Arbeitsgeschichte, Auswirkungen der Werksschließungen und industrielle Verschmutzung. Dieses multimediale Deindustrialisierungsprojekt hat ein Jahrzehnt gedauert und wurde von einem engagierten Team von 12-15 Fachleuten und Freiwilligen getragen.

Vieles in meiner Forschungsarbeit dreht sich um die Frage, wie Umwelt- und Gesundheitsfragen sowohl mit industriellen als auch mit deindustrialisierten Räumen verknüpft sind. Hinzu kommt ein gemeinsames Forschungsprojekt mit Arthur McIvor, das die langfristigen, generationsübergreifenden Auswirkungen des Lebens in deindustrialisierten Regionen untersucht. Wir interessieren uns vor allem für gesundheitliche Auswirkungen. Nicht nur in Bezug auf Berufskrankheiten sondern auch im Hinblick auf den Verlust von Arbeitsplätzen und das Leben in toxischen Gebieten, in denen die Verantwortung für die Pflege überproportional auf die Frauen fällt. Ich habe auch mit Umweltgruppen im Südosten Chicagos zusammengearbeitet, die die Auswirkungen von ehemaligen Industriestandorten und Deponien sowie neueren Industrien bekämpfen, die weiterhin die Umwelt verschmutzen, aber aufgrund der Automatisierung nur wenige Arbeitsplätze bieten. In meiner neusten Arbeit geht es darum, zu eruieren, wie ein „gerechter Übergang“ für deindustrialisierte Gegenden im Kontext des Klimawandels aussehen könnte.